I.Gerth Ingrid Gerths Reisetagebuch vom Jakobsweg

Teil 1: 14. bis 30. Mai 2006

Diese Seite enthält die ersten 15 Einträge, die Ingrid Gerth während ihrer Wanderung auf dem Jakobsweg 2006 aus Internetcafes abgeschickt hat. Die Strecke führt bis nach Burgos.

Sie können durch die Datei scrollen oder Einträge über ihr Datum von hier aus "gezielt anspringen":
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Das Reisetagebuch ist startbereit !
von: Helga, 12.05.2006 00.03 Uhr

Von der technischen Seite her kann es jetzt mit dem Reisetagebuch losgehen. Liebe Ingrid, alles Gute für deine Wanderung!

Vor dem Start
von: Ingrid, 14.05.2006 13.13 Uhr

Die Fahrkarte ist gekauft, aber der Rucksack noch nicht gepackt. Etwas leichtsinnig, aber ich habe ja noch 1 1/2 Tage Zeit. Wie immer bricht kurz vor der Reise die große Hektik aus, aber ich werde es schaffen. Mehr als 7,5 kg dürfen sowieso nicht mit.

Am Dienstag kurz vor 7 Uhr geht es mit dem Zug nach Köln, dann nach Paris und weiter nach Bayonne. Vermutlich werde ich am Dienstag nicht mehr nach St. Jean Pied de Port kommen und in Bayonne übernachten.

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Freitag, 19.5.2006
von: Ingrid Gerth, 19.05.2006 15.17 Uhr

Ich sitze hier in Pamplona im Internet-Cafe, gestern hat es nicht geklappt. Also, am Dienstag bin ich bis nach Bayonne gekommen und habe dort in einem Hotel am Bahnhof uebernachtet; war o.k.

Am Mittwoch Morgen ging es dann weiter nach St. Jean Pied de Port. War spannend, ob ich den Zug noch erwische, denn in Paris hatte man mir eine falsche Zeit angegeben. Aber es klappte; um 10 Uhr war ich St.Jean und um 12 Uhr (per Taxi) an meinem Ausgangsort L'Orisson, ca 800 m hoch. Dann musste ich bis ca. 1400 m steigen, was mit dem Rucksack, obwohl er mein Wunschgewicht hatte (mit Wasser nicht mehr als 8 kg), nicht leicht war. Aber das Wetter war dieses Mal super: Sonne, aber nicht zu viel; ca 25 Grad warm, und ein angenehmer Wind, der sich spaeter allerdings zum Sturm auswuchs, was das Gehen etwas muehsam machte. Die Berge rund und schoen gruen, Pferde mit Kuhglocken, Schafe, die man von weitem kaum von den hellen Steinen unterscheiden konnte, wenn sie sich nicht bewegten.

Auf dem hoechsten Punkt traf ich eine junge Stuttgarterin, die in einer Schutzhuette dort oben uebernachten wollte, weil ihre Knie nicht mehr mitmachten. Ich habe spaeter, als ich schon lange in meinem Zimmer in Roncesvalles war, an sie gedacht, weil es gewitterte und regnete. Einige m weiter traf ich ein belgisches Paar, die mit Hund und kleinem Esel unterwegs waren.

Heute ist es mein dritter Tag, und ich bin Menschen aus Brasilien, Kanada, Australien und USA begegnet, und natuerlich vieln Spaniern, Franzosen, Deutschen.

Als ich vorgestern in Roncesvalles ankam, war mein erster Gang zu einer Rampe, unter der ich im letzten Jahr meinen Wanderstock versteckt hatte, ein geschenk von Frau Nussbaum, einer Wirtin aus der Schweiz. Leider war der Stock nicht mehr da, und ich war ein bisschen traurig, denn ich hatte mich auf das Wiedersehen gefreut.

Gestern, gleich nach dem Aufbruch von Roncesvalles, schaute ich vom Waldweg aus nach einem Ersatz. Als ich einen Stock ausprobierte (der aber viel zu morsch war), kam ein Mann auf mich zu und fragte auf Deutsch: Soll ich Ihnen einen Stock schneiden? Ich sagte freudig ja und bekam einen wunderschoenen, geraden und sehr stabilen Stock von ihm, der mich nun nach Santiago und weiter nach finisterre begleiten wird. Das was eines der kleinen Wunder des Weges!

Gestern ging es mir so gut, dass ich 29 km gelaufen bin. Den Rucksack habe ich kaum noch gespuert. Aber das war zu viel, und die letzte Nacht musste ich mit einem Bett in einem kleinen Vierbettzimmer vorlieb nehmen und habe nicht gut geschlafen. So werde ich vernuenftig sein und diese Nacht hier in Pamplona bleiben, nach 18 km! Die Stadt gefaellt mir nicht so gut: ziemlich gross und laut. Aber was soll's; Staedte gehoeren auch zum Weg!

So, alles Gute bis zum naechsten Mal. Ultreia!

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Sonntag, 21.5.2006
von: Ingrid Gerth, 21.05.2006 16.00 Uhr

Heute ist Sonntag; ich bin in Obanos erst um 10.10 Uhr gestartet und stehe jetzt in Lorca am Computer und will noch weiter nach Estella. Auch heute ist das Wetter gut; ein bisschen schwuel, aber bisher bedeckt. Erst jetzt, um 16 Uhr, kommt die Sonne heraus. Ich muss noch etwa 2 Stunden gehen; es wird heiss werden. Die Landschaft ist sehr schoen, wie im Mittelgebirge, mit den entsprechenden Pflanzen. Wir kamen wieder an einer Knabenkrautwiese vorbei. Der Kuckuck rief. Es gibt Weizenfelder, aber auch Wein- und Spargelanbau, Pfirsichbaeume. Alles ist schoen gruen.

Heute bin ich ueber die beruehmte mitttelalterliche Bruecke in Puente la Reina gegangen. Eine navarrische Koenigin liess sie bauen, damit die Pilger leichter ueber den Fluss Arga kamen. Alle Orte an dieser Wegstrecke sind im Mittelalter als Folge des Pilgerweges entstanden. Sie sind sehr schoen restauriert und sehr gepflegt.

Uebrigens: ich freue mich ueber Kommentare oder Fragen!

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Montag, 22.5.2006
von: Ingrid Gerth, 22.05.2006 19.17 Uhr

Ich bin inzwischen in Los Arcos gelandet, einem unattraktiven Nest. Auf dem Weg von Estella (das mir auch nicht gefallen hat), bin ich an einer Weinkellerei vorbei gekommen, wo man kostenlos Wein und Wasser zapfen kann. Nur kommen die meisten am Morgen vorbei und trinken nichts oder fast nichts und wollwn auch nichts schleppen. Also koennen sie sich die kostenlose Weinabgabe leisten. Einige m weiter steht ein imposantes Kloster (Itache), leider heute geschlossen, weil es Montag ist.

Heute probiere ich zum ersten Mal eine der normalen Herbergen aus: ich habe fuer 4 Euro ein Bett in einem Schlafsaal mit 36 Betten. Schrecklich! Ich hoffe, dass ich das nicht so schnell wieder machen muss.

Heute schien die Sonne, gleichzeitig wehte ein ziemlich kalter Wind; also ein ideales Wanderwetter!

Ueber meine Erfahrungen mit dieser Art des Uebernachtens werde ich das naechste Mal berichten.

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Dienstag, 23.5.2006
von: Ingrid Gerth, 23.05.2006 22.19 Uhr

Es ist schon 22 Uhr, und ich sitze in der Internetecke im Aufenthaltsraum des 3-Sterne-Hotels Palacio de Pujadas in Viana, einem recht netten Ort am Berghang. Das absolute Kontrastprogramm zur gestrigen Uebernachtung. In dem Schlafsaal konnte ich sogar einigermassen schlafen, mit Ohropax. Und wir wurden auch erst um 7 Uhr geweckt. Die Morgenwaesche fiel so ziemlich aus, aber Zaehneputzen war wenigstens drin.

Die heutige Wanderung fuehrte wieder durch wunderschoenes huegeliges Land. Alles ist gruen, in verschiedenen Schattierungen. Am Wegesrand der rote Mohn und die anderen Blumen, darunter heute eine neue Sorte: eine Art Lilie mit violett-roten Blueten.

Ich bin heute zunaechst mit einem Ehepaar und dem Bruder der Frau gewandert und habe mich ausfuehrlich mit der Frau unterhalten. Sie sind im Remstal zu Hause und haben 3 Wochen Zeit. Sie werden in diesem Jahr nicht nach Santiago kommen. Ich habe auch von der Stiftung erzaehlt, und meine Gespraechspartnerin und ihr Bruder haben dann spontan je 10 Euro gestiftet fuer Kerze und Karte aus Santiago. Das hat mich natuerlich sehr gefreut.

Abends, in der Bar, habe ich die Drei dann wieder getroffen, und dann wurde es noch sehr dramatisch, weil dem Bruder der Frau uebel wurde und er zusammenbrach. Es kamen ziemlich schnell 2 Helfer, aber der Mann erholte sich nicht und musste ins Krankenhaus nach Logrono eingeliefert werden. Ich hoffe, die drei koennen die Wanderung moeglichst bald fortsetzen.

Der morgige Zielort soll weniger Betten haben als Viana. Und hier ist alles voll. Nicht nur ich uebernachte in diesem feudalen Hotel (fuer 48 Euro). Mal sehen, wo ich morgen lande.

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Mittwoch, 24.5.2006
von: Ingrid Gerth, 24.05.2006 15.53 Uhr

Ich bin in Logrono gelandet, nur 10 km von Viana enfernt. Nach einer Woche ein halber Ruhetag, das ist o.k. Ich waere ja gern noch weiter gegangen, denn das Wetter ist wunderbar zum Wandern. Aber weil in Viana ja alles voll war und mein Zielort, Navarrete, weniger Betten hat, habe ich in einem Reisebuero eine nette Dame gebeten, bei allen Hostals und in dem einzigen Hotel in Navarrete anzurufen. Um 11.30 Uhr war schon alles voll! Also bin ich hier geblieben. In den Touristen-Centern bekommt man uebrigens eine Unterkunftsliste mit den Telefonnummern fuer eine ganze Region, aber sie weigern sich, dort anzurufen, auch wenn man kein Spanisch spricht.

Ich habe mir ein Zimmer in einem Hostal mitten in der Altstadt von Logrono gesucht und die Gegend erkundet. Denn ich habe meine kleine Plastikschachtel mit den Kaeseecken und meinem schoenen Schweizermesser in Viana im Hotel liegen lassen, im Zimmerkuehlschrank. Ich war ganz sicher, sie nicht zu vergessen, aber es ist nun doch passiert. Na ja, es gibt Schlimmeres, und ich hoffe, ich finde nachher Ersatz.

Auf meinem Weg durch die Stadt stand ich ploetzlich vor dem Hospital und fragte dann, ob Paul, der aarme Pilger von gestern abend, noch da sei. Es stellte sich heraus, dass er gar nicht dort, sondern in San Millan ist, was viel weiter weg ist. Keine Wunder, dass es gestern abend so lange gedauert hat, bis die Ambulanz kam. Ich hoffe, dass alle zusammen morgen ihren Weg fortsetzen koennen.

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Samstag, 27.5.2006
von: Ingrid Gerth, 27.05.2006 22.00 Uhr

Oh, so ein Aeger, ich habe eben einen ganz langen Beitrag geschrieben, und er wurde nicht abgesendet. Wie schade! Deshalb nur ganz kurz: es geht mir gut; ich werden versuchen, das Ganze an einem anderen Geraet (aber nicht mehr heute; es ist 22 Uhr) zu wiederholen. 40 Minuten vergeblich Arbeit in einer widerlichen Atmospaere!

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Sonntag, 28.5.2006 (1)
von: Ingrid Gerth, 28.05.2006 13.58 Uhr

Damit mir nicht dasselbe passiert wie gestern, werde ich meinen Bericht in verschiedene Teile fassen. Donnerstag und Freitag hatte ich keine Moeglichkeit zu schreiben.

Das netteste Erlebnis am Donerstag: Kurz, nachdem ich das Naherholungsgebiet von Logrono durchquert hatte, kam ich an einen kleinen Stand, an dem Marcelino, ein aelterer Herr mit wehendem weissen Haar, den vorbeiziehenden PilgerInnen Kekse, Aepfel und Kuesschen anbot und keine Spenden haben wollte. Er war im heiligen Jahr 2004 selber den Weg gegangen und fuehlte sich nun berufen, den PilgerInnen etwas Gutes zu tun. Er hat isch einen schoenen Stempel machen lassen, der nun auch meinen Pilgerausweis ziert.

Die Spanier in dieser Gegend haben uebrigens eine aehnliche Beziehung zu ihren Hunden wie wir auch: sie fuehren sie aus, sprechen mit ihnen und knuddeln sie. Ausserdem gibt es viele, die allein oder in kleinen Gruppen walken, allerdings ohne Stoecke.

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Sonntan, 28.5.2006 (2)
von: Ingrid Gerth, 28.05.2006 14.38 Uhr

Vorgestern, am Freitag, hatte ich Lust auf Kunst und Kultur. Also entschloss ich mich zu einem Umweg. Von Najera bis Azofra lief ich den normalen Jakobsweg, dann ging es auf eine gluecklicherweise wenig befahrene Landstrasse nach Canas. Dort gibt es ein Kloster, dass eine schoene Kirche hat (romanisch)und ein Grabmal der 4. Aebtissin dieses Klosters. Es steht im Kapitelsaal und gilt als eines der bemerkenswertesten Grabmaeler dieser Epoche. Es ist wirklich sehr schoen gestaltet, und das Gesicht der Aebtissin ist eindrucksvoll.
Im Museum sind viele Kunstschaetze ausgestellt, die zu diesem Kloster gehoeren. Das Schoene war, dass kaum BesucherInnen da waren; es war sehr friedlich.

Dann machte ich mich wieder ans Pflastertreten Richtung San Millan, wo es die Kloester Suso und Yuso gibt. Inzwischen schien die Sonne, und ich beschloss, den Daumen fuer einen ride zu heben. Zwar gab es kaum Autos, die in diese Richtung fuhren, aber dann hielt eines und nahm mich mit nach Berceo. Der Mann redete auf Spanisch auf mich ein und verstand nicht, dass ich nicht verstand! Von Berceo lief ich dann den Kilometer nach San Millan und hatte genuegend Zeit, denn die Kloester, Museen etc. oeffnen nachmittags erst um 16 Uhr. Mein Mittagessen teilte ich mir mit einer netten Huendin. Und dann kam die Pilgerin Barbara, die sich in San millan ein Zimmer gesucht hatte (das hatte ich auch schon probiert, aber mit halbem Herzen, weil meine Hoffnung war, jemand zu finden, der abends mit dem Auto nach Santo Domingo de la Calzada fuhr, meinem Etappenziel, wenn ich den Umweg nicht gemacht haette. Barbara bot mir das zweite Bett in ihrem Zimmer an, was ich dankend annahm, aber ich musste sie spaeter enttaeuschen, denn tatsaechlich war ein Ehepaar aus Berlin bei der Fuehrung, die in Santo Domingo Quartier genommen hatten und mich im Auto mitnahmen.

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Sonntag, 28.5.2006 (3)
von: Ingrid Gerth, 28.05.2006 14.54 Uhr

Fortsetzung, denn es klappt tatsaechlich nicht, wenn der Beitrtag zu lang ist

Das Kloster Suso liegt etwas hoeher am Berg und ist besonders eindrucksvoll. Der heilige Millan (zu deutsch: Emil) hat dort nach seiner Berufung zu einem religioesen Leben zuerst als Einsiedler gelebt. Dann kamen weitere Moenche; es entstand ein Gemeinschaftsraum. Urspruenglich war seine Hoehle aus dem Fels gehauen, dann wurde noch mehrmals angebaut. Als sich das Kloster zu einem regionalen Wallfahrtszentrum entwickelte, wurde unten im Tal ein sehr grosses, eben Yuso, gebaut, um die vielen Pilger aufnehmen zu koennen.

Dort fuehrte uns der Augustinerpater Alfonso Labarta, der mal in Hamburg gelebt hat und Deutsch nuschelt, schwer zu verstehen. Aber er ist reizend und freute sich sehr ueber unser Interesse.

Die Berliner nahmen mich dann im Auto mit zu ihrer Unterkunft, zu der ich auch wollte, das Gaestehaus der Zisterzienser; sehr empfehlenswert! Abends habe ich die beiden dann im Restaurant wiedergetroffen; wir haben uns noch lange unterhalten. Sie reisen sehr viel und koennen fremde Kulturen wuerdigen. "Wir sind nicht der Nabel der Welt", meinte der Mann, und da hat er recht!

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Sonntag, 28.5.2006 (4)
von: Ingrid Gerth, 28.05.2006 15.05 Uhrr

San Millan ist uebrigens nicht besonders schoen, aber seine Lage zwischen den Bergen ist sehr schoen. Ein Krankenhaus habe ich dort nicht gesehen, aber die Gegend ist sehr geeignet, um sich dort zu erholen.

Gestern morgen bin erst um 10.30 Uhr auf den Camino gegangen, weil ich mir vorher noch die Kathedrale von Santo Domingo anschauen wollte. Immerhin war sie mal Bischofssitz, und ausserdem ist sie mit der Legende vom Huehnerwunder verbunden. Noch heute werden in der Kathedrale in einem Kaefig eine weisse Henne und ein weisser Hahn gehalten, und als ich meinen Rundgang machte, hat er ca. 10mal gekraeht. Ich betrachte das als gutes Omen! Ansonsten ist noch das Grab vom heiligen Domingo sehenswert, ebenso der Chorumgang mit 8 schoenen Saeulen und die Petruskapelle, die als einzige noch rein romanisch ist.

Gestern musste ich zum ersten Mal mit dem Schirm wandern, denn nach 14 Uhr wurde es heiss. Abens kam ich erschoepft in Belorado an und nahm in einer casa rural Quartier; war ganz angenehm. Der Weg war aller andere als schoen: endlos geradeaus direkt neben der stark befahrenen N 120! Heute war es viel besser.

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Sonntag, 28.5.2006 (5)
von: Ingrid Gerth, 28.05.2006 15.24 Uhr

Nun muss ich noch die Legende vom Huehnerwunder erzaehlen: Im fruehen Mittelalter pilgerte ein Ehepaar aus Xanten mit seinem 18jaehrigen Sohn nach Santiago und nahm in Santo Domingo Quartier. Die Wirtstochter verliebte sich in den jungen Mann; der aber blieb gleichgueltig. Darauf raechte sie sich, indem sie einen silbernen Becher in sein Gepaeck schummelte und ihn am naechsten Tag wegen Diebstahl anzeigte, worauf damals die Todesstrafe stand. Er wurde gehenkt. Als die Eltern noch einmal nach ihrem Sohn schauten, bevor sie weiter zogen, sahen sie zu ihrem Erstaunen, dass der noch lebte. Santo Domingo habe ihn gehalten, sagte er. Die Eltern gingen sofort zum Richter, um ihm von dem Wunder zu berichten, das die Unschuld ihres Sohnes bewies. Der sass gerade beim Mittagessen und sagte: Euer Sohn ist so lebendig, wie die beiden Huehnchen hier auf meinem Teller. Worauf die Fluegel bekamen und zum Fenster hinausflogen. Die Eltern konnten mit ihrem Sohn weiterziehen.

Nette Geschichte, nicht wahr? Und in Spanien sagt man deshalb: In Santo Domingo de la Calzada, da gackert sogar die gebratene Henne!

Weil mir gestern das linke Bein etwas weh tat, bin ich heute nur ca. 12 km gewandert und habe mich entschlossen, wieder einmal in einer Herberge zu uebernachten in Villafranca Montes de Oca. Die Herberge hat mich wegen der kleinen Tischchen zwischen den Betten und wegen des Internet-Anschlusses ueberzeugt. Hoffentlich schlafe ich einigermassen.

Hier in der Gegend gibt es uebrigens viele Stoerche. Gestern in Belorado waren auf einer romantischen Kirchenruine sowie auf der Pfarrkirche je 2 Nester, und ich habe die Stoerche heftig klappern gehoert.

Heute ist es auch wieder sehr heiss!

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Umzug für ältere Beiträge
von: Helga, 29.05.2006 23.56 Uhr

Hallo Ingrid,

schön, dass Du so oft eine Möglichkeit zum Schreiben findest. Vermutlich werden Dich alle, die zur Zeit "hier" sind, um gutes Wetter und Wandermöglichkeit beneiden. Denn hier ist es sehr ungemütlich geworden ...

Da ich nicht feststellen konnte, wieviel Text das verwendete "Gästebuch" sicher verwalten kann, werde ich deine ersten Beiträge demnächst herausnehmen und schon jetzt als normale Textseite einstellen, nicht erst nach Ende Deiner Reise.

Alles Gute weiterhin.

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Dienstag, 30.5.2006
von: Ingrid Gerth, 30.05.2006 19.57 Uhr

Seit gestern abend bin ich in Burgos. Och habe mich selbst uebertroffen und bin ca. 40 km gelaufen! Aber das muss eine Ausnahme bleiben; meine Fuesse wuerden das auf die Dauer nicht mitmachen. Es war auch nur moeglich, weil erstens perfektes Wanderwetter herrschte (Sonne und kuehler Wind) und zweitens wenig Pflaster zu treten war.

Ich bin nun ca. 290 km gelaufen und habe damit in 12 Tagen ca. 1/3 der Strecke geschafft. Heute ist mein Ausruhtag; allerdings bin ich hier in Burgos auch viel herumgelaufen, natuerlich ohne Rucksack, was sehr angenehm ist.

Die gestrige Strecke fuehrte von Villafranca Montes de Oca durch das Oca-Gebirge und ist sicher einer der landschaftlichen Hoehepunkte des spanischen Jakobsweges. Jedenfalls hat es mir sehr gut gefallen, laengere Zeit auf ca 1000 m Hoehe zu laufen, mit wunderschoenen Blumen am Wegesrande: grossbluetiger Ginster (wie in den Pyrenaeen), aber auch ganz kleine Ginsterpflanzen mit kleinen Blueten. Die Glockenheide mit ebenfalls sehr grossen Blueten und dann grosse Heidestraeucher, gross wie Ginster, mit kleinen Blueten. Und eine Art Steinbrech, insgesamt also eine Sinfonie in gelb, weiss, violett. Teilweise hat mich die Landschaft ein bisschen an das Aubrac in Frankreich erinnert.

Die erlebte Schoenheit liess mich dann auch das Einlaufen in Burgos ertragen. Ich bin den alten Weg gegangen, weil der neue ueber Villafria in meinem (ganz neuen!) Fuehrer nicht drinsteht und ich auf jeden Fall abends in Burgos sein wollte: mal 2 Naechte im gleichen Bett!

Der Weg fuehrte durch eine Mondlandschaft: an einer Erddeponie vorbei, am Bau eines Flughafens, an Chemiefabriken, aber die letzten km waren dann wieder schoen, am Fluss.

Gleich am Beginn der Altstadt haben ih ein kleines Hotel (Jakobeo)gefunden; mit 40 Euro pro Nacht ganz schoen teuer, aber ok.

Heute habe ich mir die Kathedrale, die Kirche San Lorenzo und das Kartaeuserkloster Miraflores angeschaut; alles sehr sehenswert.

Weil es aber auf 20 Uhr zu geht und dieses Internetcafe schliesst, kann ich das nicht weiter ausfuehren.

Liebe Helga, die ersten Beitraege zu einer Seite zusammen zu stellen finde ich sehr gut! Heute war hier uebrigens wieder strahlende Sonne, aber der Wind war unangenehm kalt: morgens um 9 Uhr waren es nur 9 Grad! Zum Wandern aber besser als zu warm.

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Zum Teil 2 des Reisetagebuchs ab 1. Juni 2006.

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